Simon Schnetzer, Kilian Hampel, Nina Kolleck, 2026, Deutsch
Auf den Punkt:
Dauerkrisen, wirtschaftliche Unsicherheiten und eine steigende psychische Belastung führen trotz hoher Leistungsbereitschaft der unter 30-Jährigen zu einer verstärkten politischen Polarisierung sowie zu einer wachsenden Neigung zur Auswanderung.
Bewertung
Die Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026” beleuchtet die akute Belastungssituation von Nachwuchskräften und beschreibt die wachsende Sorge um die Arbeitsplatzsicherheit.
Untersuchte Fragestellung
Wie bewerten junge Menschen in Deutschland ihre aktuellen Lebensumstände? Wie entwickeln sich ihre mentale Gesundheit und ihre beruflichen Perspektiven vor dem Hintergrund globaler Krisen? Und wie verändern sich dadurch ihre politischen Einstellungen und ihre langfristigen Zukunftspläne?
Inhalte/Trends
Der seit Jahren andauernde Krisenmodus, bestehend aus Inflation, hohen Wohnkosten und geopolitischen Spannungen, belastet die Nachwuchsgeneration massiv. Die Ergebnisse der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026” belegen, dass der Anteil junger Menschen, die psychologische Unterstützung benötigen, mit 29 % einen neuen Höchstwert erreicht hat. Bei jungen Frauen liegt dieser Wert bei 34 %, bei Studierenden bei 32 % und bei Erwerbslosen bei 42 %. Zudem weisen 60 % der Befragten ein suchtähnliches Smartphonenutzungsverhalten auf, während KI-basierte Beratungsangebote bei persönlichen Problemen zunehmend als Anlaufstelle dienen.
In der Arbeitswelt zeigen sich deutliche Umbrüche: Die generelle Leistungsbereitschaft der Befragten bleibt zwar hoch, jedoch wachsen die Zweifel am finanziellen Ertrag der eigenen Arbeit. Vor dem Hintergrund technologischer Veränderungen durch KI sowie wirtschaftlicher Stagnation schätzen junge Menschen ihre beruflichen Aufstiegschancen pessimistischer ein. In der Folge gewinnt die betriebliche Ausbildung gegenüber einem akademischen Studium spürbar an Attraktivität, da praxisnahe Qualifikationen und Krisenfestigkeit priorisiert werden. Die prekäre Lage spiegelt sich auch in der Finanzsituation wider: Der Anteil überschuldeter junger Menschen ist auf 23 % gestiegen.
Als Konsequenz aus Perspektivlosigkeit und hohen Lebenshaltungskosten erwägen viele Befragte radikale Schritte: 21 % der jungen Generation planen konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen vorzufinden. Grundsätzlich können sich 41 % einen Schritt ins Ausland vorstellen. Gleichzeitig verstärkt sich die politische Polarisierung. In der Sonntagsfrage liegt Die Linke mit 25 % an erster Stelle und verzeichnet vor allem bei jungen Frauen starken Zuspruch, während die AfD insbesondere bei jungen Männern an Popularität gewinnt.
Geltungsbereich
Soziografisch repräsentative Online-Befragung von 2.012 jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren in Deutschland.
Link zur kostenpflichtigen Studie
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