Die KI-Wertlücke
Roland Berger, 2026, Englisch
Auf den Punkt:
Trotz hoher Investitionen verfehlen fast 90 % der Unternehmen ihre finanziellen KI-Ertragsziele wegen organisatorischer Umsetzungsdefizite.
Bewertung
In der Studie „The AI Value Gap“ (Die KI-Wertlücke) werden die strukturellen Ursachen von Transformationsblockaden untersucht und konkrete Ansätze zur Entwicklung zukunftsfähiger Betriebsmodelle und Kompetenzstrukturen aufgezeigt.
Untersuchte Fragestellung
Welche Ursachen führen zur Diskrepanz zwischen hohen KI-Investitionen und ausbleibenden finanziellen Erträgen? Welche Leistungsprofile charakterisieren erfolgreiche Unternehmen? Und durch welche operativen Protokolle lässt sich diese Wertlücke nachhaltig schließen?
Inhalte/Trends
Die Erhebung zeigt eine deutliche Wertschöpfungslücke bei KI-Projekten. Obwohl Unternehmen weltweit immer mehr Geld in Künstliche Intelligenz investieren, liegen die finanziellen Erträge bei knapp 90 % der befragten Betriebe deutlich hinter den Investitionen zurück. Dies ist nicht auf einen Mangel an Kapital oder Ambitionen zurückzuführen, sondern auf die Tendenz, KI als einkaufbares Projekt anstelle einer zu entwickelnden Fähigkeit zu betrachten. Wesentliche Hürden sind oberflächliche Erfolgsmessungen, Zielkonflikte und technische Hindernisse. Viele Organisationen befinden sich bei der Kontrolle ihrer Initiativen im Blindflug: 63 % verlassen sich ausschließlich auf Einzahl-Messungen oder ihr Bauchgefühl, anstatt den Erfolg fortlaufend datenbasiert zu überwachen. Lediglich 25 % messen die Erträge ihrer Werkzeuge kontinuierlich im laufenden Betrieb. Dadurch ist es nicht möglich, wertschöpfende von verlustbringenden Projekten zu unterscheiden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf organisatorischen Konflikten. Das Streben nach Autonomie kollidiert häufig mit Sicherheitsanforderungen, was zu Entscheidungsblockaden führt. Zudem führt die Entwicklung von Anwendungen außerhalb der zentralen IT zur Entstehung von Schatten-KI, wodurch sich die Risiken für Transparenz und Sicherheit erhöhen. Technisch bleibt die Anbindung oft oberflächlich, da KI-Systeme lediglich über Altsysteme gelegt werden. Zwei Drittel der stagnierenden Unternehmen nennen fehlendes technisches Know-how als signifikante Hürde.
Die Befragung zeigt im internationalen Vergleich klare Leistungsprofile. So umfasst das Stalled-Segment Firmen, die zwar hohe Budgets aufwenden, aber kaum Erträge erzielen. Unter den Befragten sind große Unternehmen mit 5.000 und mehr Mitarbeitenden mit 79 % überrepräsentiert. Regional bestehen große Unterschiede: Während japanische Betriebe dank klarer Governance und tiefer Integration vierfach häufiger wirtschaftlichen Nutzen realisieren, verharrt die DACH-Region mit 49 % in der Beobachterrolle. Sie priorisiert Sicherheit vor Autonomie und beschränkt sich meist auf Pilotprojekte. Wie die Daten in „The AI Value Gap“ (Die KI-Wertlücke) belegen, erfordert der Erfolg fünf Kernprotokolle: hybride Orchestrierung, tiefgreifende Systemintegration, automatisierte Governance, föderierte Strukturen sowie einen fokussierten Dauerbetrieb nach dem Go-Live.
Geltungsbereich
Befragung von 203 Führungskräften mit KI-Verantwortung aus der DACH-Region (35 %), Frankreich (15 %), Großbritannien (15 %), den USA (20 %) und Japan (15 %) aus fünf Branchen.
Link zur Studie
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