TÜV-Weiterbildungsstudie 2026
TÜV-Verband e.V., 2026, Deutsch
Auf den Punkt:
Laut der „TÜV-Weiterbildungsstudie 2026“ gefährdet eine KI-Wahrnehmungsdiskrepanz im deutschen Mittelstand die digitale Transformation, da fast die Hälfte der Betriebe ohne KI-Praxis keinerlei Qualifikationsbedarf sieht.
Bewertung
Die Studie liefert wichtige Benchmarks zu Weiterbildungsbudgets sowie gefragten Future Skills und identifiziert eine Ignoranz gegenüber dem KI-Qualifizierungsbedarf in praxisfernen Betrieben.
Untersuchte Fragestellung
Wie bewerten deutsche Unternehmen den Stellenwert der beruflichen Weiterbildung, in welchem Maße werden KI-Kompetenzen sowie Zukunftsskills real aufgebaut und wie praxistauglich ist die politische Unterstützung?
Inhalte/Trends
Die Ergebnisse der „TÜV-Weiterbildungsstudie 2026“ dokumentieren eine gravierende Diskrepanz beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Zwar hat sich der Anteil der Unternehmen mit KI-Schulungen im Vergleich zu 2024 (12 %) auf 27 % mehr als verdoppelt, und 9 % planen konkrete Maßnahmen. Gleichzeitig sehen jedoch 45 % der Betriebe aktuell überhaupt keinen Bedarf für KI-Kompetenzen. Diese Fehleinschätzung korreliert mit fehlender Praxiserfahrung: Während im Gesamtdurchschnitt 40 % der Befragten mit einem steigenden Qualifikationsbedarf rechnen, liegt dieser Wert bei aktiven KI-Nutzern bei 57 %. Auch die Unternehmensgröße beeinflusst die Dynamik, da 68 % der Großunternehmen ab 250 Mitarbeitenden generative KI-Tools implementieren, im Vergleich zu 53 % bei kleineren Betrieben.
Beim Kompetenzaufbau priorisiert die Wirtschaft anwendungsnahe Fähigkeiten: 72 % halten praxisnahe KI-Kenntnisse im Alltag für relevant, 67 % fordern Grundlagenwissen zur Funktionsweise. Spezialwissen wie Prozessintegration (39 %) oder fortgeschrittene Anwendungen (38 %) werden seltener als dringlich eingestuft. Im Recruiting schlägt sich das Thema kaum nieder, da 74 % der Firmen KI-Know-how bei maximal 5 % der Neueinstellungen voraussetzen. Demgegenüber steht ein messbarer Nutzen für Vorreiter: Betriebe mit KI-Einsatz verzeichnen höhere Produktivitäts- und Effizienzgewinne (54 % vs. 36 % im Gesamtschnitt) und realisieren häufiger neue Geschäftsmodelle (24 % vs. 14 %).
Der allgemeine Stellenwert von Weiterbildung sank leicht von 93 % im Jahr 2024 auf 87 % im Jahr 2026. 75 % der Firmen bieten allen Mitarbeitenden Fortbildungen an, wobei meist 3 bis 5 Weiterbildungstage genutzt werden (51 %) und zwei Drittel bis zu 1.000 Euro jährlich gewähren (65 %); eine schriftliche Strategie besitzen 29 %. Bei den prognostizierten Future Skills stehen soziale und menschliche Kompetenzen mit 88 % an der Spitze, gefolgt von technologischen (70 %) und transformativen Nachhaltigkeitskompetenzen (59 %). Die staatlichen Rahmenbedingungen werden stark kritisiert: 76 % fühlen sich über finanzielle Förderungen schlecht informiert, 67 % sind mit den Instrumenten unzufrieden und lediglich 15 % empfinden den Kurs der Politik als richtig.
Geltungsbereich
Befragung von 500 Personalverantwortlichen, Weiterbildungsbeauftragten und Geschäftsführern in deutschen Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden.
Link zur Studie
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